Die Mitte Irelands über Ballinasloe - Lough Ree


Ganz in der Nähe gibt es auch interessante Dinge zu sehen. Clonmacnoise liegt nur eine gute Stunde von uns entfernt, ebenfalls Clonfert, die irisch-romanische Kathedrale aus dem 12. Jh. Aber, wenn der Tag gutes Wetter verspricht, sollte man doch einen kleinen Umweg machen. Vielleicht zur Mitte Irelands.

Zunächst nach Portumna und dann auf der R 555 (T 31) nach Ballinasloe. Ballinasloe ist eine großangelegte Stadt mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, jedoch habe ich die engen Gassen mit den kleinen, typisch irischen Shops vermißt.

Das nächste Ziel könnte Athlone sein, eine kleine Hafenstadt mit Fischerbooten, Segeljachten und einer bewegten Geschichte. Aber vor allen Dingen mit einer Hauptstraße: Shop an Shop.

Ein zusätzlicher Umweg rund um den Lough Ree, insbesondere Roscommon, würde sich lohnen, jedoch dann müßte man schon sehr früh aufgestanden sein.

Die Mitte Irelands zu sehen, verspricht spannend zu werden. Aber ich will nicht vorgreifen.

Zunächst von Athlone auf der R 390 (L 4) über Ballymore nach Killare. Dann achte man auf die Schilder, die in der alten Ausführung in grün, und in der neueren in braun auf weißem Untergrund beschriftet sind. Wer es noch nicht weiß: Diese zeigen immer eine historische oder archäologische Stätte an.

Uisneach, das ist der Mittelpunkt Irelands von dem man bei gutem Wetter  20 der irischen Grafschaften überblicken kann. Kurz zuvor sieht man jedoch das Schild zum Catstone. Der Catstone war der volkstümliche Mittelpunkt der fünf alten irischen Provinzen Connaught, Ulster, Nord- und Süd-Leinster und Munster. Am Catstone versammelten sich alle irischen Stämme der 32 Grafschaften, um das Maifest zu feiern.

Ganz gleich, an welchem Hinweisschild man die Wanderung beginnt, eine Wegemarkierung gibt es nicht; man muß sich also auf seinen Instinkt verlassen. Wir wanderten ab Schild Uisneach, einen total morastigen Weg, hinauf. Sandy und Ingolf hatten Gummistiefel an, Marlis Sonntagsnachmittagsausgehschuhe und ich Turnschuhe. Als wir über die Wiese zum kleinen Hügel wanderten, fing es an zu regnen. Auf den Wiesen waren mehr Kuhfladen als Gras, und da meine Brille dauernd beschlug, hatte ich Schwierigkeiten, auf die richtige Stelle zu treten. Da überhaupt kein Weg zu finden war, blieb mir nichts anderes übrig, als mit Ingolf gemeinsam zu bekennen, daß wir nicht falsch waren. Wir taten das so sicher, daß Marlis sowie Sandy und die beiden mexikanischen Kinder Maribel und Cesar, welche wir in diesem Urlaub bei uns hatten, nicht an uns zweifelten. Wie gesagt, es regnete. Der Regen wurde immer stärker, doch irgendwann sahen wir einige Steine auf einem Hügel, und wir vermuteten dort die Mitte Irelands. Wir hatten Recht, es war der trigonometrische Punkt. In dieser Situation für uns leider nicht mehr wert als die nassen Socken, die wir uns geholt hatten.

Nun mußten wir noch den Catstone finden. Es regnete unaufhörlich weiter. Die Kinder maulten, Marlis fing an zu fluchen, es war also höchste Zeit, wieder etwas Besonderes zu finden. Wir stiegen durch Brennesseln über Zäune, und wie es dem unermüdlichen Wanderer zu wünschen ist, auch auf den Catstone.

Der Teufel sollte die irische Geschichte holen, jedenfalls wir waren naß bis auf die Haut, und da der Wind am Hügel blies, begannen wir zu frieren.

Wir standen vor dem Stein, wahrlich nichts Aufregendes, aber dieses Ding überhaupt gefunden zu haben, war uns schon etwas wert. Kurz unterhalb sahen wir die Straße. Kein Weg, aber bergab war schon richtig.

An unserem Auto angekommen, wechselten alle Wanderer ihre Kleidung. Ich fuhr, nur mit der nassen Unterhose bekleidet, mit freiem Oberkörper und barfuß, weiter. Gut, daß es in Ireland keine Polizeistreife gibt.