Bericht unserer Irlandreise vom 10.-26.7.2007

(Route durch den Süden)

Wer in Dublin ankommt und eine Woche oder wenigstens 3-4 Tage Zeit hat, kann einige Umwege zum Haus durch den Süden nehmen. Eine Möglichkeit wäre über die Wicklow-Berge nach Glendalough:

Vom Ring Dublin M 50, Abfahrt 12, dann R 115, R 759, R 755. Ca. 7 km hinter Roundwood liegt malerisch im Talkessel die noch teilweise gut erhaltene Ruine der im 6. Jahrhundert von St. Kevin, dem edelgeborenen Prinzen aus dem Hause Leinster, gegründete Klosteranlage.

Noch im 12. Jahrhundert standen in Glendalough 7 Kirchen, und 3.000 Einwohner lebten dort. Nach Wikinger-Überfällen und einem vernichtenden Angriff der englischen Truppen im Jahre 1391 begann der Niedergang des Klosters bis zur Auflösung aller irischen Klöster 1539 durch Henry VIII. Danach hielt der Protestantismus Einzug.

Wenn man mittags in Dublin ankommt, ist diese Tour ohne weiteres am Nachmittag zu schaffen. Wenn man noch einen Tag dranhängen kann, gibt es von Dublin noch mehre Alternativen: Die Sandstrände von Greystones, Wicklow, Brittas Bay und Arklow sind zu empfehlen. Auch die Parkanlagen von Powerscourt und Mount Usher, nördlich von Brittas Bay, sollen zu den schönsten des Landes gehören. Für den Rückweg nimmt man am besten die R 756 über Holywood, Kildare, Port Laoise, durch die Slieve Bloom Mountains über Birr nach Portumna. Schneller geht es über Roscrea und Birr nach Portumna.

Im Juli 2007 sind wir jedoch weiter in den Süden und Südwesten gefahren. Von Dublin den Ring M 50 auf die N 7 über Naas, Kildare, Port Laoise, dort auf die N 18, weiter über die N 77 nach Kilkenny, ein kleines Städtchen voller Leben, das aber im Zentrum im Wesentlichen aus drei Straßen mit Seitengassen besteht. Dort nahmen wir unser erstes B&B für.

Kilkenny, heute 9.000 Einwohner, einst Hauptstadt des Königreiches Ossory, eines der 7 vornormannischen irischen Geschlechter, soll die interessanteste Stadt Irlands sein (so steht es in dem wirklich hervorragenden Buch von H.A. Piehler 5.200 km durch Irland“). Die Häuser, einige noch aus dem 18. Jh., sind zum großen Teil aus dem Kalkstein dieser Gegend gebaut. Daher wird Kilkenny auch die Marmorstadt genannt. Selbst „Perle unter den Städten Südirlands“ und „irisches Rothenburg“ habe ich schon gelesen. Leider konnten wir das nicht so nachvollziehen, da ein Abend für diese Stadt einfach zu wenig ist. Kilkenny war von 1642-48 Sitz der unabhängigen Regierung und wurde 1650 nach schweren Kämpfen von Cromwell erobert.

Sehenswert soll das Kilkenny-Castle sein, das 1192 erbaut wurde und Hauptsitz des Butler-Clans war, eines der großen anglo-germanischen Geschlechter, die große Heerführer und zahlreiche Gelehrte hervorgebracht haben. Bis 1935 war es im Besitz der Butler von Ormond. Interessant u. a. das Kilkenny Design-Centre, das in den ehemaligen Stallungen hochwertiges Kunsthandwerk zeigt. Den „Langstones-Pub“, Dauersieger im Wettstreit „Pub of the Year“, haben wir auch nicht gesehen, da wir fußmüde waren.

Weiter ging es über Clonmel, Cahir in Richtung Cork. Hier sollten Sie sich den interessanten Besuch einer Höhle, der Michelstown-Cave, die 1833 entdeckt und 1969 erschlossen wurde, nicht entgehen lassen. Es ist – so glaube ich – die größte Höhle in Irland und kann sich mit Sicherheit mit den Höhlen messen, die ich im Sauerland kenne.

Cork ist die zweitgrößte Stadt Irlands und sicherlich einen Abstecher wert. Da ich aber dort schon mehrere Male war, haben wir uns für Kinsale entschieden.

Wenn man auf den Südring fährt, ist es verhältnismäßig leicht zu finden. Kinsale, ein idyllischer Ort von 2.00 Einwohnern an der Mündung des River Bandon, ist nicht nur eine wunderschöne, sondern auch eine Stadt von historischer Bedeutung. 1601 landeten hier spanische Truppen, um den Iren unter Führung von O’Neill beizustehen. Sie besetzten es 10 Wochen, wurden aber dann von den englischen Truppen mit Hilfe der Ulster-Rebellen vernichtend geschlagen. Kinsale ist nicht nur ein Seebad mit einem Yacht- und einem bedeutenden Fischereihafen, sondern auch bekannt und geprägt als Stätte der Gourmets und der Kunst, insbesondere Malerei.

Unser B&B war mit 90,- € nicht gerade billig, aber dennoch preiswert, weil es in einer Seitenstraße des Zentrums lag, äußerlich nicht besonders ansprechend, aber das Haus innen großzügig, sehr gepflegt, und unser Zimmer verriet – in Schwarz und Weiß gehalten – den besonderen Geschmack eines Designers.

In dem kleinen Zentrum reiht sich ein Restaurant an das andere, Pubs oder kleine Modelädchen. Als Gourmet-Stadt machte Kinsale auch mit den Preisen alle Ehre, Durchschnittspreis eines Menues 20,- bis 30,- €. Wir aßen dort ein interessantes Fischgericht, welches u. a. auch aus frittierten Pastinaken-Scheiben bestand, für 15,- €. Fish & Chips waren zwischen 9,- und 12,- € zu haben, ein Pint Guinness 3,60 €, ein Halfpint 2,60 €. Man bestellt allerdings nicht ein Halfpint, sondern ein Glas of Guinness. Das verrät den echten Irland-Kenner und geübten Pub-Besucher schon während der Bestellung. Ein Glas ist also immer ein Halfpint.

Am Abend machten wir noch eine kleinen Gang entlang dem Hafen und der Hafenmauer. Am anderen Morgen fuhren wir zum Charles Fort, 4 km südlich von Kinsale, eine gewaltige, sternförmige Festungsanlage mit 5 Bastionen aus dem 17. Jh., die 1973 zum Nationalmuseum erklärt wurde. Selbst wenn man sich für Relikte dieser Art nicht interessiert, hat man von hier einen wunderschönen Blick auf Kinsale.

Weiter ging es dann über die R 600 mit einer ersten kleinen Unterbrechung bei Balinspittle an einem wunderschönen Sandstrand. Sich einmal an nutzlosen Dingen erfreuen, dem Wellenschlag, dem Sand, der durch den Glimmeranteil leicht glitzert, einem bunten Stein, einer schönen Muschel oder einmal in die Priele mit den verschiedensten Algen reinschauen! (Ab ca. 40 bis 50 cm Entfernung gibt das ganz tolle Aufnahmen, vielleicht später als vergrößertes Bild an der Wand als Erinnerung.)

Freunde von Steinkreisen werden reichlich belohnt, wenn sie sich den Dromberg-Stone-Circle bei Ross Carberry ansehen. Auf der R 600, ca. 20 km hinter Clonakilty, sehen Sie ein Hinweisschild. Vom Parkplatz führt ein Fußweg durch beidseitige hohe Fuchsienhecken zu den 17 Menhiren.

Bis auf den westlichen Block stehen alle Steine aufrecht. Bei Ausgrabungen fanden sich die Gebeine einer hier Begrabenen aus der Entstehungszeit der Kultstätte (frühe Bronzezeit etwa 150 v. Ch. - 120 n. Ch.). Ca. 40 m weiter westlich befinden sich die Reste zweier Hütten und eines Kochplatzes mit einer „Fulacht Fiadh“, d. h. einer Kochmulde, die mit glühenden Steinen beheizt wurde.

Weiter auf der R 600 vorbei an schönen Buchten. Insbesondere Glandore ist mir in gutem Gedächtnis. Ein kurzer Halt an einem Restaurant an der Straße mit Blick auf die Bucht, dazu ein Salat mit Lachs – wunderbar.

Unser Ziel war Mizen Head, daher weiter die N 71 über Skibbereen, R 592 Schull, Goleen. Wir hatten vor, bei Mary in Mizen Head zu übernachten, wo wir schon einmal 2004 waren. Es war ein Traum von Brigitte, dieses wunderschöne B&B, direkt an den Klippen gelegen, vor allen Dingen Mary wiederzusehen. Mit Schluchzen und Tränen in den Augen musste sie allerdings erfahren, dass Mary nicht da war. Es gab auch kein freies Zimmer, wie uns ihr Mann, mit dem sie seit der Heirat in der Einsamkeit glücklich lebt, sagte.

Die Light-Station, zu der man über eine spektakuläre Brücke über die Klippen gehen muss, war auch schon geschlossen. Ich war darüber nicht unglücklich, hatte ich doch noch das Gefühl in Erinnerung, als ich über die Seilbrücke Carrick-a-Rede/Rope-Bridge in Nord-Irland gehen musste. Aber auch ohne diese Begehung war es eine wunderschöne Fahrt über den Mizen Head-Drive. Wir hatten wunderbares Wetter, den ganzen Tag Sonne, wie es für Irland leider nicht immer üblich ist. Was tun? Wir wären gerne noch etwas in dieser schönen Gegend geblieben, aber die B&B’s sind hier dünn gesät, und so fuhren wir an diesem Abend noch weiter über die R 591 bis nach Bantry. Das bekannte Bantry-House in halb gregorianischem und halb viktorianischem Stil haben wir leider nur von außen gesehen. Es steht inmitten eines subtropischen Gartens, und von April bis Oktober sind dort Kunstsammlungen zu besichtigen.

Die Bantry-Bay von ca. 34 km Länge ist für das Befahren von Seeschiffen geeignet, und auch Öltanker können dort anlegen. Günstig fanden das auch die Franzosen, die 1689 und 1796 dort zu landen versuchten. 1796 setzten 32 Schiffe mit 14.000 Mann (steht hier so) in Frankreich Segel, jedoch nur 16 Schiffe erreichten ihr Ziel.

Ich ziehe es immer vor, ein B&B vor der Stadt zu suchen weil es meistens günstiger ist. Für Brigitte muss eine Unterkunft nach Möglichkeit in der Stadt liegen, an einer ruhigen Straße und mit Blick auf das Meer. Da diese Kombination nur selten zu haben ist, entschieden wir uns für ein B&B direkt an der Hauptstraße mit Blick auf den Hafen. Das Zimmer war, wie die Wirtin uns sagte, im 2. floor, aber ich meinte, die schmale Treppe hätte bis in den 3. Stock geführt. Darauf entbrannte wieder die fast tägliche Diskussion, warum man immer zwei Koffer mit in das Zimmer nehmen muss. Ein kleiner Koffer für beide mit den nötigsten kosmetischen Dingen und Wäschestücke für zwei Tage müsste doch genügen oder? Da es unmöglich und auch nicht einzusehen war, 40 kg Koffer die schmale Treppe hinaufzutragen, packte ich kurz entschlossen und rücksichtslos mein Rasierzeug und Schlafanzug in eine Plastiktüte. Darauf reagierte Brigitte ironisch mit den Worten: „Mein Traum war immer ein Mann mit Plastiktüte!“ Das Zimmer war eigentlich nur eine „Schlafstätte“, in der man übernachten kann, wenn man in der Nacht mit 4 Pints und 3 Wiskeys aus dem Pub kommt. Die Beleuchtung bestand aus einer Glühbirne, die mitten im Zimmer an einem Kabel hing. Der kleine Kleiderschrank oder was es immer war hatte auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Tür ging nicht zu. Das Bad war ein sogenanntes 1-Mann-Bad. 1-Frau-Bad könnte man nicht sagen, da keine Ablage über dem Waschbecken für kosmetische Dinge war. Selbst Zahlputzgläser waren nicht vorhanden. Die Handtücher mussten wir anfordern. Bei den Matratzen kamen die Sprungfedern durch, die Bettwäsche war bunt und durchaus geeignet, sie nicht bei jedem Gast waschen zu müssen. Beim Frühstück kamen wir mit unserer Wirtin ins Gespräch. Sie erzählte, dass sie 8 Kinder, 25 Enkelkinder und etliche Urenkel hatte und alles sehr viel Geld kostete. Da sah man die Dinge wieder in einem anderen Licht. Und warum soll man eine Lampe aufhängen, wenn es eine Glühbirne am Kabel auch tut? Das Zimmer kostete „nur“ 60,- €. Aber wenn man bedenkt, dass ein erstklassiges B&B vor 2 bis 3 Jahren nur 50,- € kostete, war diese Nacht nicht gerade preiswert.

Eigenartigerweise komme ich in einem Hafen meistens bei Ebbe an. Hier war es so, dass das Hafenbecken nicht nur mit Müll übersät war, sondern auch fürchterlich stank.

Bantry ist m.E. keine Stadt, in der man länger verweilen möchte. An der einzigen Hauptstraße und auch in den kleinen Seitenstraßen gibt es wohl einige Fastfood-Schuppen, und in 2 Pubs haben wir 1-Mann-Live-Musik erlebt.

Am anderen Morgen ging es weiter über die N 71 über Glengarriff nach Kenmare. In Glengarriff gibt es eine Fährverbindung , vorbei an kleinen Inseln, auf welchen Seehunde zu sehen sind, zu der Insel Garinish Island, die überwiegend aus einem botanischen Park besteht.

Die Straße von Glengarriff nach Kenmare westlich des Gougane Barra Forest Parks gehört m. E. zu den interessantesten Straßen, die ich gefahren bin. Die Straße windet sich um die Berghänge und man hat von Zeit zu Zeit einen wunderbaren Ausblick in die Schluchten.

Weiter ging es am nächsten Morgen auf der N 71 in Richtung Macgillycuddy’s Reeks, Irlands höchsten Bergen. Einige hundert Meter hinter dem Molls Gap führt rechts eine unbenannte Straße durch eine wildromantische Gebirgslandschaft. Diesen kleinen Umweg sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Die einspurige Straße ist mehr oder weniger ein befestigter Weg, und an einigen Stellen kann man wirklich nur Schritttempo fahren. In einem Irland-Reiseführer steht sogar, nur geübte Fahrer könnten diese Tour machen. Soweit würde ich nicht gehen, aber Vorsicht ist schon angesagt. Nach diesem etwa 10 km langen Rundweg stößt man auf die R 568, wobei wir dann nach einigen Kilometern rechts ab nach Killorglin gefahren sind. Diese Strecke ist nicht weniger interessant. Sie führt westlich der Macgillycuddy Reeks vorbei an dem 3414 feet hohen Carrauntohill . Die Straße ist sehr schlecht beschildert. Man muss etwas den Kompass im Kopf haben oder vielleicht auch gelegentlich fragen. Ca. 10 km vor Killorglin beginnt die Ebene und die ersten Häuser tauchen auf. Weiter dann die N 70 bis Castlemaine, dann links ab die R 561 Richtung Dingle.

In der Inch-Bucht gingen wir trotz Regen an den weitläufigen Sandstrand. Surfer versuchten sich im Wellenreiten. Eine Gruppe von Surfer-Schülern machte unter Anleitung die ersten Trockenübungen. Die beiden jüngsten Teilnehmer waren wohl kaum 10 Jahre alt.

In Dingle angekommen, ging wieder die Suche nach einem B&B los. Unsere erste Frage hatte auch Erfolg: ein großes, sauberes Zimmer. Das ganze Haus machte einen gepflegten Eindruck. Nur das einzige Zimmer, das noch frei war, hatte keinen Seeblick. Brigitte machte ein mieses Gesicht, und ich kein besseres, aber nicht wegen des mangelnden Seeblicks, sondern wegen des Blicks von Brigitte und weil das Zimmer direkt an der Straße lag und die Autos ständig vorbeisausten. Die nächsten drei B&B’s waren besetzt, eins hatte keine Dusche und wieder drei besetzt! Ich blieb mittlerweile schon im Auto sitzen, aber Brigitte wurde umso emsiger, klapperte wieder drei weitere B&B’s ab, und endlich – das muss ich zugeben – hatte sie ihr und auch mein Traum-B&B etwas abseits der Straße gefunden und, man soll es nicht für möglich halten, mit Meerblick. 90,- € waren wohl auch nicht gerade billig, aber wegen des Preises noch etwas anderes zu suchen, wäre auch nicht in meinem Sinne gewesen.

Am Abend suchten wir uns zunächst am Hafen ein einfaches Familien-Fischlokal, aßen Fish & Chips und fuhren anschließend mit dem Auto aus der Stadt Dingle heraus, damit Brigitte das offene Meer sehen konnte. Auf einem Hügel über den Klippen machten wir noch einen Spaziergang und trafen dort auf eine deutsche Familie, die sich kein Auto leihen konnte, weil sie keine Kreditkarte bei sich hatte, und so musste sie ihren Urlaub mit dem Fahrrad und Autobus verbringen mussten. Zurück in unserem B&B legten wir uns auf unsere breiten Betten, sind aber in der Nacht nicht aufgestanden, um aufs Meer zu sehen.

Am anderen Morgen fuhren wir weiter nach Westen den Slea Head Drive, eine wunderschöne Strecke, teilweise direkt am Meer entlang, vom Erlebnis etwas zu vergleichen mit dem Mizen Head Drive, jedoch noch viel länger. Dieser führt wieder nach Dingle zurück, von dort über den Connor Pass die R 560 nach Tralee, eine Stadt von bedeutender Größe.

Weiter dann die N 21 bis Castleisland, über Abbeyfeale bis Limerick. Die Straße ist auf großen Strecken wie eine Autobahn ausgebaut. Wir konnten diese kaum ausnutzen, weil es so stark regnete, dass selbst der schnellste Gang auf dem Scheibenwischer keine klare Sicht bot.

Vor Limerick zweigt schon die N 7 in Richtung Nenagh ab. Vor Birdhill sehen Sie die R 460 nach Broadford. Hier ginge es notfalls auch abzufahren, aber besser ist es, in Birdhill die Abfahrt in Richtung Killaloe/Ballina zu nehmen.. Hier beginnt schon die heimatliche Straße über Scarriff, Mountshannon und Whitegate. Bis zum Haus fährt man trotz teilweise gut ausgebauter Straßen länger als eine Stunde.